Wird das Grundeinkommen von den „Büetzern“ finanziert?

Kurzantwort: Nein, ganz sicher nicht!

Ausführlichere Version:

Ein Einkommen braucht jeder Mensch, unabhängig davon, was er leistet und ob er arbeitet oder nicht. Dies ist ja heute bereits der Fall. Arbeitslose – und von denen wird es mit zunehmender Rationalisierung (Rationalisierung gehört ja schliesslich zum wirtschaftlichen Fortschritt) immer mehr geben – Kinder, Rentner, Invalide. Alle werden vom Sozialstaat mit finanziellen Mitteln unterstützt. Nun könnte man sagen: „Die sollen doch einfach arbeiten gehen!“. Tatsache ist aber, dass wir längst den Punkt überschritten haben, wo für jeden Bürger im Erwerbsalter in diesem Land (ca. 4.8 Millionen) ein Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Gemäss Bundesamt für Statistik waren im Jahr 2009 230’000 Menschen auf Sozialhilfe angewiesen. Dazu kommen 420’000 Menschen, die von der IV lebten. Und zusätzlich noch einmal 143’000 Menschen, die Arbeitslosengeld erhalten.

Zusammengenommen ergibt sich daraus: 793’000 potentiell Erwerbstätige, die keinen Arbeitsplatz haben – also knapp 1/5 der Bevölkerung in der Schweiz. In diesen Zahlen nicht mitgerechnet sind dabei all jene, die auf ehrenamtlicher Basis unentgeldlich arbeiten, z.B. in der Pflege von Angehörigen. Wenn man alles zusammen nimmt, kommt man z.B. in Deutschland (die Schweizer Zahlen konnte ich auf die Schnelle nicht finden) auf folgende Zahlen:

Arbeitsleistung in Stunden (Deutschland 2001):

  • 56 Milliarden Arbeitsstunden bezahlt (Erwerbsarbeit)
  • 96 Milliarden Arbeitsstunden unbezahlt (Pflege, Hausarbeit, Ehrenamtlich usw…)

Quelle: Statistisches Bundesamt Deutschland

Nun ist es so, dass mit dem aktuellen Steuersystem nur die Einkommen besteuert werden. Was heisst das im detail? Genau das, was viele befürchten, würde bei der Einführung eines Grundeinkommens eintreten, ist heute leider Realität!

Akutell ist es nämlich so, dass all jene, welche keine Arbeit haben von denen finanziert werden, welche eine Arbeit haben. Genau darum geht es beim Grundeinkommen: Eine Reform des aktuellen Steuersystems. Weg von der Einkommensbesteuerung – hin zu einer eventuellen Konsumsteuer.

Konsumieren müssen nämlich alle. Vom Baby über den Sozialhilfeempfänger hin zum pflegebedürftigen Greis – alle konsumieren. Deshalb wäre es eben viel sinnvoller, wenn man nicht die Einkommen besteuert, sondern die Steuer auf konsumierte Güter und Dienstleistungen erheben würde. Dann würden nämlich alle Steuern bezahlen und das System mittragen. Das hätte auch eine enorme Kostenreduzierung zur Folge, da nämlich mit der Einführung eines Grundeinkommens auf Basis der Konsumsteuer, die Kosten, welche der heutige Sozialstaat verschlingt, wegfallen. Arbeitslosengeld würde abgeschafft – genauso wie die IV und die Sozialhilfe. Weil jeder ja bereits mit einem Grundstock an Geld versorgt wäre.

Auch die Löhne aller Angestellten, welche auf den Arbeitslosenämtern (Sozialämtern, IV usw…) arbeiten, würden wegfallen, da das Grundeinkommen keiner Bedürftigkeitsprüfung unterliegt. Also nochmals massive Einsparungen, welche wir aber aktuell alle mit unseren Steuergeldern finanzieren!

Wir sehen also, dass die heutige Situation leider so ist, wie es in der viel gestellten Frage angesprochen wird. Mit dem aktuellen Steuersystem bezahlen wir nämlich all jene, die nicht arbeiten und darüber hinaus auch die Gehälter all derer, die darum bemüht sind, Arbeitslose wieder auf den Arbeitsmarkt zu vermitteln.

Genau darum geht es – genau das will das Grundeinkommen ändern! Leider wird dieser Punkt von vielen missverstanden.

Für ein bedingungsloses Grundeinkommen – weil wir doch alle bestrebt sind, längerfristig zu denken und das System zu tragen; weil wir die Verantwortung übernehmen müssen – unseren Kindern und den nachfolgenden Generationen zuliebe.

Wenn Du Dich dafür interessiert, wie das Grundeinkommen wirkt und wie es finanziert werden soll, lege ich Dir folgendes Video ans Herz:

Grundeinkommen – Der Film:
http://youtu.be/ExRs75isitw

Darin wird genau erklärt, wie das Grundeinkommen finanziert werden soll und welche Konsequenzen für den Einzelnen daraus resultieren. Klar ist, dass das Grundeinkommen nicht die Arbeitnehmer ausbeuten will – im Gegenteil, es soll die Arbeitnehmer entlasten! Ebenso zielt das Grundeinkommen keinesfalls darauf ab, die Menschen von der Arbeit abzuhalten (nach dem Motto: Ich habe ja nun mein Einkommen – für was soll ich also noch arbeiten?), vielmehr soll es jedem Einzelnen ermöglichen, selbst zu bestimmen, wie und wo er sich sinnvoll einsetzen möchte. Leistung soll sich natürlich weiterhin (oder wieder?) lohnen.

Weitere Links zum Thema:

http://www.grundeinkommen.ch/
http://grundeinkommen.tv/

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