Wenn gar nichts mehr geht…

Mit der Kreativität ist es so eine Sache. Es gibt Tage, da läuft alles wie am Schnürchen, die Einfälle kommen zur richtigen Zeit und die Dinge, die ich anpacke sind im Nu vollendet. Manchmal ist es aber auch genau umgekehrt. Das weisse Papier wirkt abweisend, Ideen sind plötzlich keine mehr da – und irgendwie geht gar nichts. Blockade pur. Jeder Funke von Schaffenslust wird im Keim vom „inneren Kritiker“ mit den Worten erstickt, dass das ja wohl auch nicht gerade der grosse Wurf  wird.

Der innere Kritiker macht auch ein paar gute Vorschläge, wie die Zeit genutzt werden könnte. Zum Beispiel könnte ich zum siebten mal innerhalb von 20 Minuten sämtliche Social Networks abklappern, um festzustellen, dass dort immer noch nichts läuft. Eine andere Idee wäre, die Internetseiten meiner ganz grossen Vorbilder anzusurfen um vollends deprimiert festzustellen, dass ich niemals dieses Talent, diese Fantasie oder Meisterschaft erreichen werde.

Ein guter Moment für einen Spaziergang. Einfach mal raus, weg vom Bildschirm, Bewegung und ein wenig durchatmen. Allein das wirkt manchmal schon wahre Wunder. Den inneren Kritiker schicke ich in die Ferien, der darf wiederkommen, wenn es auch wirklich etwas zu kritisieren gibt – aber dann bitte konstruktiv.

Aus Nichts wird Nichts – genau das ist  das Problem, wenn ich keinen Anfang finde, blockiert bin, und scheinbar keine Ideen mehr habe. Dann hilft es mir „etwas“ zu tun. Dieses „Etwas“ kann fast alles sein, hauptsache es macht Spass und ich sehe Resultate. Egal, ob ich mit dem Tuschefilzer kleine Quadrate mit Mustern fülle, den Schrank mit den Materialien zum Gestalten neu sortiere, unsere Teelichter von dicken Wachskrusten befreie, eine Geburtstagskarte bastle (obwohl sie erst nächste Woche fertig sein muss), oder einen Kuchen backe. Wichtig ist nur, dass ich etwas habe, auf das ich meinen Fokus richten kann und am Ende ein Resultat sehe. Das befriedigt und überzeugt auch den inneren Kritiker (meiner bleibt selten lange im Urlaub), dass ich doch fähig bin etwas zu erreichen.

Meist bin ich an diesem Punkt soweit regeneriert, dass „es wieder fliesst“. Vielleicht hat mich auch eines der gezeichneten Doodles auf eine neue Idee gebracht, oder ich fand in den Tiefen einer Schachtel etwas ganz Tolles, das mir bei einem aktuellen Projekt weiterhilft. Geht an diesem Punkt immer noch nichts, habe ich einige Vorlagebilder, die ich schon lange mal abzeichnen wollte.

Und wenn das alles nichts hilft, kann ich immer noch auf den Vorschlag meines inneren Kritikers zurückkommen, sämtliche Social Networks zu aktualisieren, die Werke der ganz grossen Vorbilder zu betrachten und mir genüsslich das Recht eingestehen, völlig unkreativ und unproduktiv zu sein.

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